Rückblick: Fairplay im Fanshop: FC St. Pauli und der HSV legen vor

Am 16. Dezember 2025 durften wir nach ersten kleineren Events endlich zur offiziellen Auftaktveranstaltung unseres neuen Sport-Projekts „Hamburg spielt Fair!“ einladen. In der Online-Diskussion „Fairplay im Fanshop: FC St. Pauli und der HSV legen vor“, die in Kooperation mit der bundesweiten Kampagne „Sport handelt fair“ stattfand, setzten wir uns mit dem Stellenwert des Fairen Handels in den Fanshops der deutschen Herrenfußball-Bundesligavereine auseinander und beleuchteten sowohl bisherige Erfolge als auch weitere Ziele und Handlungsmöglichkeiten der Clubs auf dem Weg zu mehr Fairness auch abseits des Spielfelds.

Da die Vorweihnachtszeit für viele Menschen von Hektik und Last-Minute-Erledigungen geprägt ist und wir zudem die Reichweite des Themas ausschöpfen wollten, fand die Veranstaltung online statt. Dabei durften wir rund 40 Gäst:innen im Publikum und unsere 4 Expert:innen auf dem virtuellen Podium begrüßen:

Catharina Fricke als Bereichsleitung Merchandising beim FC St. Pauli,

Sascha Steinbrück als Head of Merchandising beim HSV,

Lara Schröder als Referentin für Nachhaltigkeit bei cum ratione und Herausgeberin einer vielbeachteten Studie, die 2025 in dritter Auflage die Fanshops der Bundesliga-Profis unter die Lupe nimmt,

und in Rolle der Moderation Anton Klischewski, der sich bei „Sport handelt fair“ engagiert und Referent für Sport und Fairen Handel beim Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin sowie Vorstand und Koordinator für Nachhaltigkeit und Engagement beim FC Internationale ist.

Das Publikum hatte sich aus ganz verschiedenen Regionen Deutschlands dazugeschaltet. Bild: Fair Trade Stadt Hamburg

Die 90-minütige Veranstaltung wurde eingeleitet durch Sophie Knauerhase, Referentin für Fairen Handel und Nachhaltigkeit im Sport bei der Fair Trade Stadt Hamburg, und eine kurze Abfrage zur Zusammensetzung des Publikums. Diese zeigte, dass sich Menschen aus ganz Deutschland mit den verschiedensten Bezügen zum Thema und ganz unterschiedlichem Vorwissen zu der Veranstaltung angemeldet hatten. Mit dabei waren außerdem auch Vertreter:innen der Bundesligavereine VfL Wolfsburg, 1. FC Heidenheim, VfB Stuttgart und FC Augsburg, worüber wir uns besonders gefreut haben.

Als erste Expertin erhielt Lara Schröder das Wort und stellte die aktuelle Studie von cum ratione zur Nachhaltigkeit der deutschen Fußballprofi-Fanshops vor. Sie erklärte im Vorfeld die Arbeits- und Umweltbedingungen der konventionellen Produktion von Textilien, woraus sich die Relevanz einer solchen Studie und der Schaffung von Transparenz und Aufmerksamkeit ergibt, und präsentierte danach die angewandte Methodik der Untersuchung. Zum Schluss wurde enthüllt, welche der 36 Erst- und Zweitligisten die nachhaltigsten Fanshops besitzen.

Während der FC Bayern weit hinter seinen finanziellen Möglichkeiten zurückbleibt und sich hier im Abstiegskampf befindet, kann sich der Norden sehen lassen: Zusammen mit dem SV Werder Bremen teilen sich der Hamburger SV und der FC St. Pauli die Meisterklasse.

Lara Schröder machte deutlich, dass die Studie nicht als Fingerzeig für Vereine dienen soll, die noch nicht so gut abschneiden, sondern als Motivation und Hilfestellung, sowie als Anregung zur Vernetzung mit Mitstreiter:innen. Eine Austauschrunde unter Beteiligung aller Bundesliga-Vereine bietet cum ratione bereits erfolgreich an – von DFL und DFB fordert die Organisation dagegen noch weitaus mehr Engagement beim Thema der nachhaltigen Beschaffung.

Nicht nur hinsichtlich der Fairen Fanshops sind der HSV und der FC St. Pauli Vorreiter:innen: Catharina Fricke und Sascha Steinbrück sind als jeweilige Merchandise-Leitende ihrer Vereine auch gut vernetzt, stehen in regem Austausch miteinander und wurden nicht zum ersten Mal auf dasselbe Podium eingeladen.

 

Die Gäst:innen im Publikum kamen aus sehr unterschiedlichen Arbeitsbereichen zusammen. Bild: Fair Trade Stadt Hamburg

Nachhaltigkeit und Fairer Handel genießen in beiden Clubs einen hohen Stellenwert und haben bereits eine lange Vorgeschichte. Dabei sei beiden vor allem die Glaubwürdigkeit der Kommunikation wichtig. Auf die Frage aus dem Publikum, ob nicht die Spieler selbst öffentlichkeitswirksam für den Fairen Merch werben könnten, lautete die Antwort, dass dafür nur diejenigen Spieler in Frage kommen würden, die die entsprechenden Werte auch glaubwürdig vertreten können. Und auch wenn die Vorweihnachtszeit natürlich Hochsaison im Verkauf von Fanartikeln ist, führten beide weiter aus, dass ansonsten auf Ausverkaufsaktionen bewusst verzichtet werde, da zum einen aufgrund sorgfältiger Planung möglichst kaum Artikel für Sales übrigblieben und zum anderen auch aus Nachhaltigkeitsgründen nicht zum Überkonsum angeregt werden soll.

Am Ziel fairer Fanshops arbeiten die Rothosen und die Kiezkicker jedoch nicht nur allein – beide Vereine engagieren sich auch in Projekten wie „Vom Feld in den Fanshop“, im Zuge dessen sich die Sustainable Agricultural Supply Chains Initiative (SASI) mit insgesamt 9 Bundesligavereinen als Projektpartner für fair produzierte Fanartikel einsetzt und gleichzeitig indische Kleinbäuer:innen bei der Umstellung auf Bio-Baumwolle unterstützt.  Zudem gäbe es die Idee und erste Versuche einer Initiative, die gemeinsame Bestellung von Fasern für Fanartikel verschiedener Vereine zu ermöglichen, deren Vereinsfarben sich überschneiden. Einer solchen Bestellung könnten sich dann auch kleine Clubs abseits der Topligen anschließen, wodurch auch ihnen der Zugang zu bezahlbaren, aber fair gehandelten Stoffen für ihre Fanshops ermöglicht werden würde. Diese und weitere Berichte von Catharina Fricke und Sascha Steinbrück machen deutlich, dass beide Hamburger Vereine sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst sind. Wir sind gespannt, mit welchen Ideen sie auch in Zukunft aufwarten können, um den fairen Handel weiter im Profisport zu verankern.

Moderator Anton Klischewski, der durch sein Engagement beim FC Internationale Berlin und „Sport handelt fair“ sowie seine Arbeit beim Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin selbst über viel Wissen und Erfahrung verfügt, die auch für kleine Vereine relevant sind, führte routiniert und fesselnd durch das Gespräch. An dieser Stelle empfehlen wir den von ihm ausgearbeiteten Leitfaden zum nachhaltigen Sportverein der Zukunft, die neue Sportbroschüre mit Beispielen von Vorreitern aus Berlin sowie Hinweise zu relevanten Materialien. Auch beachtenswert ist das Projekt „DAS TRIKOT“, in dem der FC Internationale zusammen mit runamics und HAKRO das erste Trikot mit Cradle to Cradle zertifizierten Materialien auf dem Sportmarkt weltweit entwickelte – ein Thema, das in diesem Panel Talk nicht besprochen wurde, aber deutlich macht, dass es noch weitaus mehr inspirierende Leuchtturm-Projekte gibt.

 

Viele der Anwesenden konnten bereits einiges an Wissen zum Thema vorweisen. Bild: Fair Trade Stadt Hamburg

Soll die Lücke geschlossen werden, die momentan noch zwischen dem Anspruch des Fußballs als Sport für alle und den global vorherrschenden unfairen Produktionsbedingungen von Sportartikeln besteht, so wurde am 16.12.  jedenfalls deutlich, dass der Einsatz für Nachhaltigkeit und Fairen Handel vor allem von solidarischer Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung lebt. Die Hamburger Fußballprofis machen es vor: in den Farben getrennt, doch in der Sache vereint.

Das Projekt Hamburg spielt Fair! wird gefördert von Engagement Global.