Rückblick: Faires Frühstück „Vielfalt schmecken“

Faires Frühstücksangebot. Foto: Kati Jurischka.
Am 11.09.2025 fand zum Auftakt der Fairen Woche 2025 in Kooperation mit dem Ernährungsrat Hamburg e.V. unser Faires Frühstück im Hamburger Rathaus statt. Unter dem Motto „Vielfalt schmecken“, haben wir bei einem leckeren Frühstück mit Fairtrade-Produkten anlässlich der erneuten Auszeichnung Hamburgs zur Fairtrade-Stadt gemeinsam mit Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft überlegt, wie der Faire Handel in Hamburg in Zukunft noch besser gestärkt werden kann, insbesondere in Bezug auf Ernährung und Lebensmittel und als Instrument zur Erreichung der SDGs.
Zu Gast waren neben dem Team der Fair Trade Stadt Hamburg u.a. Dr. Ana Catarina Sebode von der Senatskanzlei, Stephan Jersch und Janine Burkhardt von der Bürgerschaftsfraktion der Linken in Hamburg, Nele Steinbrecher, Jennifer Jasberg, Katrin Meyer und Alske Freter von der Bürgerschaftsfraktion der Grünen in Hamburg sowie das Team des Ernährungsrats.
Zu Beginn der Veranstaltung haben uns drei Vertreter:innen von spannenden Organisationen mit Inputs zur Wirksamkeit des Fairen Handels – vor allem in Bezug zum Thema Ernährung – versorgt.
Die Inputs

Samia Kassid. Foto: Kati Jurischka.
Samia Kassid ist Programm Managerin beim World Future Council und leitet dort das Programm „Rechte von Kindern und Jugendlichen“. Sie engagiert sich seit Jahren in der Kinderrechts- und Advocacyarbeit, ist Vorstandsmitglied der National Coalition Deutschland zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, zudem im Hamburger Rat für nachhaltige Entwicklungspolitik (RANEP) aktiv und gehört seit 2022 dem Sprecher:innenteam des Nachhaltigkeits Forum Hamburg (NFH) an.
In ihrem Input hat sie uns die Verbindung zwischen Fairem Handel und den SDGs nähergebracht und dabei die Perspektiven des RANEP und des NFH einfließen lassen. Denn, wie Samia Kassid aufgezeigt hat, zahlt Fairer Handel auf vielfältige Weise auf die SGDs ein. So ist der Faire Handel – entsprechend SDG 5 – seit über 50 Jahren ein wichtiger Baustein für die Einhaltung von Menschenrechten und für entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsarbeit. Beispielsweise tragen fair gehandelte Lebensmittel dazu bei, starke Partner:innenschaften im und mit dem Globalen Süden aufzubauen (SDG 17), um Kleinbäuer:innen im Ursprung zu stärken und für ein selbstbestimmtes Leben zu empowern (SDG 5). Hinsichtlich Ernährung und Lebensmitteln im Kontext der Kreislaufwirtschaft hat Samia Kassid aus Sicht des NFH das Ziel formuliert, mehr in die Ernährungsbildung zu investieren (SDG 4), damit zukünftige Generationen überlebensfähig sind, die lokale Versorgung gestärkt ist, sowie lokale Rohstoffe zunehmend fair produziert sind und gefördert werden (SDG 8, 12).

Vortrag von Jette Ladiges. Foto: Kati Jurischka.
Jette Ladiges ist Geschäftsführerin von El Puente, eines sozialen Fair Trade Unternehmens, das sich für transparente, partnerschaftliche Handelsbeziehungen und einen werteorientierten Wirtschaftsansatz einsetzt.
In ihrem Vortrag hat sie deutlich gemacht, dass nachhaltige Ernährung globale Verantwortung braucht – mit Fairem Handel, sozialer und biologischer Vielfalt sowie politischem Engagement für gerechte Handelsbeziehungen. Denn auch Lebensmittel wie Kakao, Bananen oder Tee, die nicht regional produziert werden können, aber zum festen Bestandteil des Alltags vieler Menschen gehören, müssen sozial, ökologisch und wirtschaftlich tragfähig erzeugt und gehandelt werden. Auch vor dem Hintergrund Hamburgs als ehemaliger zentraler Umschlagplatz für Kolonialwaren, kommt dem Fairen Handel von Produkten wie Kaffee, die bis heute kolonial geprägt sind, eine entscheidende Bedeutung zu. Daran anknüpfend hat sie uns einen Einblick in die Arbeit von El Puente gegeben und damit gezeigt, wie Fairer Handel und biologische und soziale Vielfalt in der Praxis umgesetzt werden können. Als politische Forderungen für Hamburg als Fairtrade-Stadt hat Jette Ladiges daraus abgeleitet, Faire Beschaffung in Einrichtungen wie Schulen, Verwaltungen oder Kitas verbindlich zu stärken, globale Perspektiven konsequent in die Ernährungspolitik einzubinden und anzuerkennen, dass nachhaltige Ernährung ohne gerechte globale Handelsbeziehungen nicht denkbar ist.

Julia Sievers. Foto: Kati Jurischka.
Julia Sievers ist Sprecherin des Ernährungsrats und Referentin für Ernährungspolitik bei der Agrar Koordination, wo sie aktuell das Projekt „Gutes Essen macht Schule“ leitet.
In ihrem Input hat sie uns am konkreten Beispiel der Ernährungsstrategie für Hamburg das Potenzial und die Relevanz des Fairen Handels vorgestellt. Denn der Ernährungsrat Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, in Hamburg eine nachhaltige Ernährung voranzubringen, beispielsweise durch die Förderung einer nachhaltigen Gemeinschaftsverpflegung. In diesem Zusammenhang setzt er sich dafür ein, dass fair gehandelte Produkte in allen städtischen Einrichtungen verstärkt eingesetzt werden – ein wichtiger Hebel, um den Fairen Handel in Hamburg voranzubringen. Diesbezüglich hat Julia Sievers insbesondere auch auf das Potential und die Notwendigkeit hingewiesen, den Fairen Handel im Rahmen der Verpflegung in Kitas und Schulen zu fördern – denn so kann ein wichtiger Beitrag für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem und für die Erreichung der global vereinbarten Nachhaltigkeitsziele geleistet werden. Abschließend kam sie zu dem Schluss, dass die Förderung des Fairen Handels bei der Erarbeitung der Ernährungsstrategie eine wichtige Rolle spielen sollte.
Die Diskussion

Präsentation der Maßnahmen. Foto: Kati Jurischka.
Auf Grundlage der informativen und anregenden Beiträge ging es anschließend darum, in einer interaktiven Arbeitsphase mögliche Maßnahmen zu diskutieren, um den Fairen Handel in Hamburg stärker zu verankern und über konkrete Anknüpfungspunkte für die Hamburger Politik ins Gespräch kommen.
Gemeinsam mit unseren Gäst:innen haben wir folgende Forderungen und Maßnahmen erarbeitet:
Übergreifende Maßnahmen:
- Preisobergrenze für nachhaltige Beschaffung erhöhen oder abschaffen
- Den Anteil fairer Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung steigern – mehr Mut bei der öffentlichen Beschaffung und z.B. auch Institutionen wie Krankenhäuser, öffentliche Unternehmen oder Universitäten einbeziehen
- Die Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse senken
- Mehr öko-faires Catering im Rathaus (z.B. Kekse, Reis, Orangen usw.) – denn ein Angebot fairer Produkte ist wichtig für den Erhalt des Titels Fairtrade-Stadt
- Faires Frühstück in der Bürgerschaft einmal jährlich
- Private Unternehmen verstärkt involvieren – sie tragen eine historische Verantwortung
- Preisgestaltung beeinflussen, z.B. durch Steuerbegünstigungen oder Subventionen für Fairen Handel, um eine Verfügbarkeit fairer Produkte für alle Menschen anzustreben
- Ein sozial-gerechter, flächendeckender Zugang zu Fair Trade Produkten setzt eine gesellschaftliche Umverteilung voraus
In Bezug auf die Schulverpflegung:
- Einführung von fairen Produkten in der Kita- und Schulverpflegung parallel zu einer stufenweise Etablierung von bio-regionalen Produkten gemäß Ernährungsstrategie und gemäß Negativliste des Nachhaltigkeitsleitfaden
- Elternarbeit integrieren, um ein Bewusstsein für die Notwendigkeit für Fairen Handel und eine faire Schulverpflegung zu schaffen
- Klare Vorgaben und Strategien für die Schul- und Kitaverpflegung entwickeln – denn Caterer müssen sich langfristig darauf einstellen
- Monitoring der Caterer in der Schulverpflegung in Hinblick auf nachhaltige faire Beschaffung: Gemäß DGE-Standard und im Mustervertrag für Caterer sind faire Produkte vorgesehen – ein Monitoring würde sicherzustellen, dass solche Vorgaben auch umgesetzt werden
- Mehr Geld pro Mittagessen seitens der Stadt zur Verfügung stellen

Erarbeitung von Maßnahmen. Foto: Annika Kreuzer.

Arbeitsphase. Foto: Kati Jurischka.
Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei unseren Gäst:innen für die bereichernden und erkenntnisreichen Inputs, Ideen und Beträge sowie den produktiven Austausch.

