Rückblick: Dekolonialer Stadtrundgang in der Hamburger Altstadt

Am Samstag dem 12.09.2026, zwischen 14 und 16 Uhr, fand der Dekoloniale Stadtrundgang in Kooperation mit Decolonial City Tours (deSta) und der W3_ statt. Britney von deSta führte die Gruppe von ca. 20 Teilnehmenden durch die Speicherstadt und die Innenstadt und beleuchtete an verschiedenen Stationen die Kolonialgeschichte der Hansestadt. Begleitet wurde das Ganze von Leonie (W3_) und unserer neuen FöJ-Assistenz Niko.

Der Andrang für die Veranstaltung war groß, an die 80 Menschen hatten sich angemeldet, allerdings gab es nur 20 Plätze zu vergeben. Dass nicht alle teilnehmen konnten ist natürlich schade, trotzdem freut uns dieses große Interesse für das Thema in Hamburg.

Als sich alle beim Treffpunkt bei der Kornhausbrücke am Zollkanal eingefunden hatten, gab es zum Einstieg eine Vorstellungsrunde und eine kurze Brainstorming-Einheit zum Oberbegriff „Kolonialismus“, wo die Gedanken schon einmal ins Rollen gebracht wurden. Beim Treffpunkt und dem ersten Stopp auf einer Aussichtsplattform auf der anderen Seite des Kanals, von der aus man einen guten Blick auf die Speicherstadt hatte, thematisierte Britney die sog. Berliner Afrikakonferenz von 1884, welche die Grundlage für die Aufteilung des Afrikanischen Kontinents schaffte. Die Speicherstadt wurde zeitgleich geplant und erbaut, um einen Umschlagplatz und Lagerraum für Kolonialwaren wie Kaffee, Kakao und Zucker zu schaffen.

Der Stadtrundgang führte uns noch am Chilehaus, an einer ehemaligen Polizeiwache und am Afrikahaus vorbei und endete bei der Handelskammer. An jedem dieser Orte erfuhren wir in Kurzvorträgen u.a. welche Rolle bestimmte Handelsunternehmen wie z.B. C. Woermann in Hamburgs Kolonialzeit spielten, wie wichtig Salpeterminen für die Versorgung der sogenannten „Schutztruppen“ (ein Euphemismus für die deutschen Militäreinheiten in Afrika) mit Schießpulver waren, die dann wiederum Widerstände in den Kolonien gewaltsam niederschlugen und schließlich den Genozid an den Herero und Nama verübten. Thematisiert wurde außerdem, mit welchen Mitteln die Ausbeutung auf politischer, wirtschaftlicher und psychologischer Ebene legitimiert wurde, wobei Rassentheorien und Euphemismen zum Einsatz kamen. Regelmäßig schaffte Britney auch Bezüge zur Gegenwart. Sie verwies auf die Verantwortung, die viele Handelsfamilien und -Unternehmen noch immer tragen, aber häufig nicht übernehmen wollen und erinnerte die Teilnehmenden daran, dass rassistische Vorstellungen und Ideale aus vielen Köpfen noch immer nicht verschwunden sind und sich beispielsweise bei der Polizei in Form von racial profiling noch heutzutage wiederfinden lässt.

Sowohl inhaltlich als auch von der Präsentation und der Route her fand der Rundgang bei den Teilnehmenden großen Anklang: die Gruppe stellte zahlreiche Nachfragen, für die regelmäßig Raum gelassen wurde, zeigte aufrichtiges Interesse und am Ende der Tour kamen von den Teilnehmenden durchweg positive Rückmeldungen.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Decolonial City Tours (deSta) und der W3_, die diese Veranstaltung in einer echt tollen Kooperation erst möglich gemacht haben und außerdem bei allen Teilnehmenden.

 

Text: Nikolaos Altinoglou

Foto Credits: Nikolaos Altinoglou