Kategorie: Aktuelles / Datum: 03.04.2012
Schmutzige Schokolade
Bericht über die Veranstaltung am 28.03.12
Auf Einladung des Projekts „Neugraben fairändern“ war der dänische investigative Journalist und Filmemacher Miki Mistrati vom 28.-29. März in Neugraben zu Gast.
In Kooperation mit dem Julius-Leber-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Fair Trade Stadt Hamburg füllten 100 interessierte Gäste die Schulaula im neuen bgz Süderelbe. Sogar aus Stade, Lüneburg und Elmshorn waren Interessierte nach Neugraben gekommen.
Der von der NDR coproduzierte Dokumentarfilm von Mistrati, „Schmutzige Schokolade“, sorgte für Empörung und Unverständnis: Wie kann es angehen, dass die Schokoladenindustrie, die seit langem um das Problem der ausbeuterischen Kinderarbeit in der Kakaoproduktion in Westafrika weiß und sich 2001 in einem Abkommen verpflichtete, Kinderhandel und Kindersklaverei abzuschaffen, bis heute die Zeit verstreichen ließ, ohne nennenswerte Schritte dagegen unternommen zu haben?
Vergeblich bat der Däne die Industrie um Stellungnahmen. Im Gegenteil, auf Veranlassung eines großen Schweizer Herstellers wurde er verhaftet und darf nie wieder den Kanton betreten, in dem dieser Weltkonzern seinen Sitz hat.
Dass seine Recherchen nicht ungefährlich waren, deutet sich auch in Filmszenen mit Gesprächen mit Regierungsvertretern der Elfenbeinküste an; vor wenigen Jahren verschwand ein anderer Journalist, der auch zu diesem Thema arbeitete spurlos, und Mistrati hat inzwischen ein Einreiseverbot in dieses westafrikanische Land.
Diese Vorgänge sind für Mistrati ein Hinweis darauf, dass der Handel und die Politik solche Recherchen fürchten, sie wollen nicht, dass diese Informationen bekannt werden und Verbraucher Forderungen erhaben.
Eine der zentralen Fragen der Veranstaltung an den Dänen waren: Was kann ich, was können wir tun? Die Empfehlung Mistratis an das Publikum im bgz lautete: Macht euch bewußt, was ihr kauft und esst, fordert von den Unternehmen, menschenwürdige Bedingungen in der Herstellung sicher zu stellen.
Miki Mistrati ist überzeugt, dass Verbraucher die Macht haben und dass die Unternehmen bei genügend Druck, z.B. auch durch die sozialen Medien Folge leisten werden. Bis zu einer vollständigen Änderung wären für ihn die Produkte aus dem Fairen Handel eine gute Alternative.
Zum Downloaden:
- Musterbrief für die in der Schokoladenindustrie und im Kakaohandel tätigen Unternehmen
- Adressen der Unternehmen


